Die Facebook-Währung Libra hinterfragt

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Die Facebook-Währung Libra hinterfragt

Facebook hat mit großem Tamtam sein Währung vorgestellt und dieser Artikel hier ist einmal ein respektables Beispiel für den Niedergang des Journalismus. Bei Wirtschaftsthemen herrscht inzwischen ein der Gefälligkeitsjournalismus. Mir bleibt da die Luft weg. Es fehlt jeder Ansatz von Fachkenntniss, Kritik oder zumindest eine gesunde Skepsis. Wie kann man bei einem solchen Thema nur so inhaltsleer, naiv und unkommentierten Unsinn schreiben. Passend zur inhaltlichen Oberflächlichkeit Erklärbildchen im infantilen Trendy-Comic-Style. Da wollte man in der Redaktion noch schnell etwas über das Thema „Libra“ bringen und gab den Auftrag dann nach extern. Die Vorgabe lautete: Leicht lesbar, keine technischen Details und trotzdem viele Keywords reinpacken, damit die Suchmaschine auch etwas findet. Heraus kam ein wunderschönes Buzzword-Bingo: Kryptowährung, „Internet of Money“, „Blockchain“, „Open Source“, „Coin“. Selbstverständlich schreiben die Qualitätsmedien alle munter von einander ab. Ein Google-Suche mit „Facebook plant Weltwährung“ ergibt 1800 Treffer. Herr Gott nochmal! Fällt denen nicht einmal mehr eine eigene Überschrift ein?

Verstand „bewölkt“

Abgesehen davon – „Facebook stellt Weltwährung Libra vor!“ wie kommt man nur auf diesen Satz, wie kann man Ihn niederschreiben ohne das einem Karotten aus den Augen wachsen. Schreibt doch gleich: „Facebook plant die Weltherrschaft“! Dazu passt ein Zitat aus der 90er Kultserie „Pinky und der Brain“:

Brain: „Ich beginne damit, deinen Verstand zu bewölken.“Pinky: „Au Junge, Brain! Es funktioniert, ich kann dich nirgendwo sehen.“Brain: „Er hat offensichtlich keinen Verstand, den man bewölken kann.“

Ich halte diesen Artikel und diverse ähnliche für schädlich und dämlich, weil eine extrem gefährliche Entwicklung verharmlost wird. Mega-Konzerne mit einer marktbeherrschenden Stellung führen Pseudo-Krypto-Währungen ein. Er behandelt die komplexe technische Thematik nur oberflächlich, so ein bisschen auf Homecomputing-Niveau.

Know the „Austrians“ – Dude!

Angelehnt an die Kritierien der „Österreichische Schule“ hier meine Bewertung des „Facebook-Geldes“ und einige Fragen die bei mir da entstanden sind. Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf erschöpfende Bearbeitung des Themas Krypto-Währung im Allgemeinen und Libra im Speziellen, es sind lediglich ein paar Gedanken, Anregungen oder Überlegungen meinerseits, deren vertiefte Betrachtung ich von einem Fach!!!-Journalisten erwartet hätte.

Tauschbarkeit und intrinsischer Wert

Die Facebook-Libra wird sicherlich ein sehr liquides tauschbares Gut. Selbst bei bei der Kryptowährung mit der höchsten Marktkapitalisierung BitCoin werden lediglich 1,5% des Transkaktionsvolumens zur Zahlung von Güter und Dienstleistungen verwendet. Vermutlich will Facebook mit seiner Währung Libra und seinen 2,5 Milliarden Nutzern genau da ansetzen. Der intrinsische Wert der Libra besteht aus digitalen Nullen und Einsen – oder anders gesagt: Warme Computerluft!

Akzeptanz

Hier wird es schon spannender. Wer die Kontrolle über eine Währung hat, der hat Macht – sehr viel Macht. Deshalb gibt es weltweit keinen einzigen Staat, der ein freies Marktgeld zulässt. Alle Staaten der Welt zwingen Ihre Bürger die Staatswährung zu verwenden und (!!!) verbieten Ihren Bürgern andere Währungen schuldbefreiend zu verwenden. Versuchen Sie mal Ihre Mehrwertsteuer mit dem laotischen Kip zu bezahlen… Die Frage an dieser Stelle Wie wird sich Facebook da positionieren? Wird Facebook das neue Staatsgeld! Eines – Weltstaates?

Teilbarkeit und Stückelung

Die Facebook-Libra dürfte da keine Wünsche offen lassen. Selbst Mikrobeträge wird Facebook mit seinen Computernullen als Zahlung ermöglichen.

Transportierbarkeit

Die Libra wird nicht physisch transportiert aber der Inhaber benötigt zwingend Zugang zu Internet und einem Facebook-Account entweder über SmartPhone oder PC. Und wenn ein Staat, so wie China im Fall BitCoin, oder die USA im Fall der Tauschbörse SilkRoad den technischen Zugriff auf die Tauschbörschen beschränkt, dann wirds schwierig mit dem digitalen Transport.

Dauerhafte Werthaltigkeit und Nutzbarkeit

Wer garantiert die Nutzbarkeit im Konzern Facebook? Kryptowährungen/Digitale Währungen sind nichts anderes als ein Stück Software das technisch gesehen jederzeit abgeschaltet, reglementiert oder freigeschaltet werden kann. An dieser Stelle ernte ich immer Hohn und Spott von fanatisierten Kryptojerks. Aber glauben Sie mir – Ich bin seit 20 Jahren in der IT-Branche, die durchschnittliche Lebensdauer / Verwendbarkeit von Software beträgt nur 2 – 4 Jahre. Nach diesem Zeitraum haben sich die Umgebung der Software wie das Betriebssystem, die Treiber, die Hardware und andere notwendige Softwarepakete soweit verändert (weiterentwickelt), dass die ursprüngliche Software nicht mehr funktioniert. Im Fall Libra bestimmen die Facebook-Vorstände den Wert und die Nutzbarkeit. Sie möchten tanken mit Libra – kein Problem – aber bitte nur 10 Liter pro Woche! Sie wissen schon … der Umwelt zuliebe! Übrigens – Montags sind Fleischprodukte 20% teurer mit der Libra – das Weltklima geht vor. Und letzte Woche haben Sie sich in einem Facebookpost zweifelhaft über die Asylpolitik geäußert. Sie haben damit leider gegen die Nutzungsbedingungen von Facebook verstößen. Wie verhält sich die dauerhafte Nutzbarkeit wenn (bereits verfügbare) Quantencomputer die bekannten Verschlüsselungsalgorithmen in Millisekunden knacken können. Was wird aus dem fantastischen Libra wenn die Facebook-Server gehackt, oder Facebook pleite geht?

Exakte Ermittlung des Tauschwertes

Eine gute Währung etabliert sich an einem freien Markt der Währungen in dem die Marktteilnehmer selbst entscheiden, welche Währung Ihre Bedürfnisse am besten befriedigt. Ich vermute allerdings das die Facebook Company versuchen wird, durch Marktabsprachen und Kooperatismus diesen Marktmechanismus auszuhebeln. Nach dem Motto, ich mache Werbung für Deine Produkte und Du akzeptierst meine Währung als Zahlungsmittel. Das ist Okay – man muss es nur wissen.

Unfälschbarkeit

Das wird echt spannennd. Der letzte Facebook-Hack https://www.pc-magazin.de/news/facebook-hacker-angriff-betroffen-was-tun-3199945.html liegt gerade einmal ein paar Monate her. Bin gespannt auf die Nachrichten 1 Millionen gefälschte Libras im Umlauf – und diese Nachricht wird kommen!

Beliebige Vermehrbarkeit!

Woher kommt eigentlich die Libra, Wieviel existieren von der Libra, Wer darf Libras herstellen. Darf der Facebook-CEO sich seine eigenen Libras herstellen und dann damit seinen Schiffsdiesel seiner 150m Yacht betanken? Wenn das so ist, dann will ich auch meine eigenen Libras herstellen können! Kann mir jemand den Anpsrechpartner bei Facebook nennen?

Und im digitalen Zeitalter … Anonymität!

Facebook ist wahrscheinlich einer der schlimmsten Datenkraken, den die Menschheit je gesehen. Die DDR-STasi war dagegen Kleintierzuchtverein. Mehrfach gab es Berichte, dass Facebook auch Zugriff auf persönliche Briefe, Bilder und Konversationen hat, die sich auf Ihrem Computer, SmartPhone, Tablet etc. befinden. Das Ausspähen der Nutzer durch Facebook nimmt also kein Ende und wird mit der Pseudo-Kryptowährung Libra eine ganz neue erschreckende Dimension erreichen. Was vielen Nutzern nicht bewusst ist, Facebook hat sogar Zugriff auf Ihe Dateien, wenn Sie Facebook gar nicht geöffnet haben.

Geld, Krypto und Gottspieler

Was an dieser Währung überhaupt Krypto sein soll sei dahingestellt. Ich halte Kryptowährungen fur durchaus sinnvoll und begrüßenswert. Eine recht vollständige Übersicht erhält man hier. (Gute!?) Kryptowährungen funktionieren mit äusserst komplizierten mathematischen Berechnungen und aufwendigen Algorithmen der Informatik. Allein die Definition eines Hash-Algorithmus dürfte viele Benutzer der besagten Währungen in Erklärungsnot bringen. Das Karusell für Geld, Krypto und Gottspieler dreht sich derzeit besonders schnell und Kryptowährungen (Initial Coin Offerings) gibt es zuhauf. Ob also eine Kryptowährung gut, schlecht, sinnvoll, vertrauenswürdig und funktionsfähig ist kann letztendlich nur ein Marktmechanismus entscheiden der auf Freiwilligkeit beruht. Das Ergebnis wäre freies Marktgeld! Ergo Freiheit!

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